Was ist ein Technology Town?
Erfahrungen zur Gründung und Entwicklung der Technology Towns in der Welt und in Russland.
Die Technology Town Idee zählt mehr als ein halbes Jahrhundert auf, jedoch noch heutzutage besteht keine allgemeingültige Definition für diesen Begriff und keine gefestigte Klassifikation dafür. Außerdem zur Bezeichnung der ähnlichen Begriffe werden in verschiedenen Ländern diverse Begriffe gebraucht, wie z.B. „technology town“, „industrial park“, „technology pool“, „technology area“, „research park“ und „science park“. Ziel dieser Bildungen ist generell ein und dasselbe: die erforderliche Gesamtinfrastruktur für die forschungsintensive Businessentwicklung (Erfinder, Business-Berater, Finanzinstitutionen, etc.) in einer Stelle zu konzentrieren und eine Möglichkeit den jungen High-Tech-Betrieben zu geben, diese Infrastruktur gemeinschaftlich unter maximalen Vorzugsbedingungen zu benutzen.
Technology Town (vom griechischen Wort „technopolis“: techne – Meisterschaft und polis – Stadt), ist – laut einer der Definitionen – moderne Form der Gebietsintegration der Wissenschaft, Ausbildung und der hochentwickelten Fertigung; sie stellt einheitliches Forschungs-, Produktions-, Trainigs-, Wohn-, Haushalts- und Kulturgebiet dar, das um ein Forschungszentrum vereinigt ist und den kontinuierlichen innovativen Kreislauf auf Basis der Forschungen gewährleistet. Unter dem Industrial Park wird üblich eine Organisation gemeint, die Gestaltung der Innovationsumgebung zwecks Entwicklung der Unternehmerschaft im wissenschaftlich-technischen Bereich durch Schaffung der materiell-technischen Basis für die Entstehung, Entwicklung, Unterstützung und Vorbereitung zur selbständigen Tätigkeit kleiner innovativen Betriebe und Firmen, zur betrieblichen Aneignung wissenschaftlicher Kenntnisse und forschungsintensiver Technologien erfolgt. So stellt Industrial Park einer der Module in der Struktur Technology Town als mehr komplizierter Begriff dar. Technology Town setzt harmonische Kombination der Tätigkeit der wissenschaftlichen Organisationen und Forschungsinstitute, Hochschulen, Industriebetriebe, Business-, Service- und Geschäftsstrukturen, sowie örtlicher Behörden voraus.
In der Entwicklung der Technology Towns sind zwei Stufen deutlich zu verfolgen: 60-er Jahre, als deren Mehrheit in der „Heimat“ (USA) und „Keimformen“ in westeuropäischen Ländern (Großbritannien, Frankreich, BRD) entstanden; und 80-er Jahre, als von Anfang an die „zweite Generation“ in den USA und Westeuropa gestaltet wurde, Technology Towns in Japan und anderen Ländern Asiens entstanden, wobei die Vielfalt von „Parks“ mit neuen Typen ergänzt wurde. Weltweit bestehen heute ca. 400 Industrial Parks und Technology Towns und werden immer neue Parks und Towns gestaltet. Im Ergebnis der Entstehung und Evolution von Industrial Parks und Technology Towns wurden einige Hauptmodelle gebildet: amerikanisches, europäisches und japanisches Modell.
Erste Industrial Parks entstanden in den USA Ende 40-er – Anfang 50-er Jahre, aber besonders stürmischer Zuwachs deren Anzahl ist auf 80-еr Jahre gefallen. Amerikanisches Modell stellt ein Betrieb dar, dessen Hauptziel die Vermietung an forschungsintensiven Firmen der Flächen ist, die für die Führung der Forschungsarbeiten und Erzeugung der innovativen Versuchsmuster geeignet sind. In der Struktur erster amerikanischer Industrial Parks wurden folgende Parameter wie z.B. Unternehmensgröße, Branchenangehörigkeit, eventuelle Entwicklungswege nicht berücksichtigt. Diese Themen wurden später für den Organisator desto aktueller. Erste amerikanische Industrial Parks waren in ihrer Entwicklung unzureichend dynamisch wegen der fehlenden extra gestalteten Verhältnisse für die Inkubation neuer innovativen Firmen.
Es wurde später versucht, dieser Nachteil bei der Gestaltung der Industrial Parks in Europa zu berichtigen, wo dieser Prozess in den 70-er Jahren begann. Für europäisches Industrial Park Modell sind einige Merkmale kennzeichnend: Vorhandensein eines Gebäudes, das für die Anordnung der kleinen, neu gegründeten Innovationsfirmen vorgesehen ist, was zur schnellen Gestaltung der innovativen Klein- und Mittelunternehmen beiträgt; verbessertes Servicesystem, bestehend aus dem komplizierten und einfachen Service; Vorhandensein einiger Gründer – eine Universität bzw. ein führendes Forschungszentrum, dessen Beitrag in wissenschaftlicher Unterstützung des Parks sowie in der Zusammenarbeit besteht; städtische und (oder) regionale Verwaltungsbehörden, die das Ladstück und die Infrastruktur bereitstellen; Agentur für die Entwicklung des Geländes bzw. eine Organisation, welche Finanzmittel (Grants) gewährt und Gebäude zur Verfügung der Science Parks stellt – all das ermöglicht harmonische und dynamische Entwicklung von Industrial Parks weiterzuführen.
In Europa wurden erste Industrial Parks in unterentwickelten Regionen des Landes zwecks Intensivierung deren Entwicklung und Steigerung der Lebensqualität von Menschen gestaltet.
Die Idee, eben Industrial Parks, d.h. komplette Forschungs- und Produktionsstädte aufzubauen, entstand in Japan Anfang 80-er Jahre. Im japanischen Modell wurde aktive staatliche Teilnahme an der Planung, Finanzierung und Entwicklung von Industrial Parks auch vorgesehen. Laut Programm „Technology Town“, angenommen in Japan zur Realisierung 1982, wurde der Aufbau neuer Wissenschaftsstädte in 19 Zonen geplant, die auf dem Territorium der Japanischen Inseln gleichmäßig verteilt sind. Japanische Technology Towns haben nicht nur wissenschaftliche Orientierung, obwohl diese als Kern gilt, ist die rein produktive Orientierung auch von Bedeutung. Viele davon entstanden in Zentren mit den traditionellen Branchen, die nicht nur geschrumpft wurden, sondern bekamen den zusätzlichen Anreiz, indem sie High-Tech-Bereiche in ihrer Umgebung bildeten: Herstellung der Elektronik, Software, Robotertechnik, Biotechnologien, Fertigung neuer Stoffe und neuer Energiequellen.
Das Wesentliche in der Technology Town Idee besteht vor allem in der Transfertechnologie, d.h. in der maximalen Annäherung der Wissenschaft und der Produktion, in der Aneignung des Marktes forschungsintensiver Produkte. Die Transfertechnologie ist mit der Sicherstellung der schnellen und effizienten praktischen Einführung von Ergebnissen wissenschaftlicher Untersuchungen, mit deren Verwirklichung sowohl in gefragte, als auch in zukunftsorientierte Produkte verbunden, welche in Technology Towns durch Industriefirmen hergestellt werden. Die Transfertätigkeit ist mit der Entwicklung der forschungsintensiven Fertigungen, mit der Einführung der modernsten wissenschaftlichen Errungenschaften, mit der Herstellung neuer Produktmuster und mit der Steigerung des fertigungstechnischen Niveaus der Betriebe unmittelbar verbunden. Damit trägt sie zur Entstehung der qualitativ neuen Wirtschaft bei, die auf High-Tech-Basis vorhanden ist.
Die Technology Town Idee gibt auch Möglichkeit, aktueller Problem der Reorganisation des Bildungssystems zu lösen – und diese den Bedürfnissen des modernen wissensintensiven Segments näher zu bringen. Viele Technology Towns, die in ihrem Bestand Hochschulen haben bzw. enge Kontakte mit denen unterstützen, beschäftigen sich mit der Vorbereitung der hochqualifizierten Fachkräfte direkt für ihre wissenschaftliche Forschungsabteilungen und -firmen. Da herkömmliches Hochschulsystem immer von der Praktik zurücksteht, erscheint in den Technology Towns einmalige Chance: einen Fachmann zu erziehen, der von ersten Schuljahren zu den Aufgaben der High-Tech-Entwicklung herangezogen wird.
Ein wichtiger Teil der Technology Town Idee ist die Schaffung des komfortablen Lebensmilieus für die dort tätigen Fachkräfte. Moderne Transport-, Business- und Sozialkulturinfrastruktur, Wohn- und Lebensverhältnisse sind Prioritäten der Entwicklung von Technology Towns neben der Schaffung der Verhältnisse für die Verwirklichung der Transfertechnologie. Entwicklung der Sozialinfrastruktur in Technology Town, sowie in den Regionen, die mit ihm geschäftlich zu tun haben, werden nicht nur durch Forschungs- und Produktionsbedürfnisse in Technology Town, sondern durch hohes Lohnniveau von Mitarbeitern der wissensintensiven Firmen motiviert. So wird die Entwicklung in Technology Town unentbehrlich mit dem Multiplikationseffekt begleitet, der mit der Wirkung des Forschungs- und Produktionsbereichs auf die Stärkung und Erweiterung der Service- und anderer Sozialbereiche verbunden ist. Dank diesem Effekt trägt die Entstehung und Entwicklung von Technology Towns zur Ausgleichung der sozialwirtschaftlich unzureichend entwickelten Randgebiete bei und setzt wesentliche Änderungen in deren Infrastruktur voraus.
So treten Technology Towns gleichzeitig als Form der Integration der Wissenschaft mit der Industrie auf und dient als Tool für komplexe sozialwirtschaftlich Gebietsentwicklung.
Entwicklung von Industrial Parks und Technology Towns in Russland beginnt ab Ende 80-er - Anfang 90-er Jahre und ist im Vergleich zur ausländischen Erfahrung durch eine Reihe von Merkmalen gekennzeichnet. In unserem Lande ging die Entwicklung von Technology Towns in zwei Hauptwege: auf Basis der Hochschule und auf Basis der Industriebetriebe. Der größte Teil davon wurde im ersten Weise organisiert, d.h. Technology Towns wurden als Organisationseinheit bei der Hochschule gestaltet und waren keine selbständig handelnde Gesellschaften, die kleine innovative Betriebe aktivieren, gründen und unterstützen. Ein großes Problem für russische Technology Towns waren außerdem die unzureichend entwickelte Infrastruktur und keine Teams aus vorbereiteten Manager, geringe Ausnutzung der Marktansätze sowie fehlende selektive Politik bei der Freigabe von Geldmitteln zur Entwicklung der innovativen Strukturen seitens Staat.
Der zweite Weg bei der Entstehung russischer Industrial Parks und Technology Towns war auf Basis der Industriebetriebe. Im Laufe der Fertigungsrestrukturierung erzeugt das Großbusiness die gesamten Clusters von kleinen und mittleren Firmen, die Infrastruktur des Hauptbetriebs ausnutzen und mit ihm eine Symbiose bilden, indem sie als Lieferanten und Auftragnehmer auftreten. Außerdem beginnen sie ihre Produkte an andere Betriebe zu liefern, wobei stabile industrielle Netze gebildet werden.
Bei russischen Bedingungen ist nicht immer erforderlich, dass eine Universität zu den Technology Town Gründern gehören muss, da Bildungssystem schwach mit der Industrie verbunden ist, sowie als Ergebnis des fehlenden Mechanismus für die Übertragung der Grundfonds von Hochschulen bzw. akademische Institutionen zugunsten der Technology Towns oder anderer Strukturen. Bei dieser Situation dürfen als reale Basis für die Technology Town Gestaltung in Russland die Industriebetriebe sein, welche manchmal überschüssige Infrastruktur besitzen und gleichzeitig über eigene wissenschaftliche Basis sowie über leistungsfähiges Personalpotential verfügen. Dabei ist für Technology Towns auch Wichtigkeit der engen Kontakte mit den Universitäten nicht zu unterschätzen.
Obwohl nach einigen Merkmalen Wissenschaftsstädte, die in der UdSSR ab Ende 60-er Jahre entstanden, zu Technology Towns auch gehören dürfen, gilt als erste Technology Town in Russland der 1990 gegründete „Wissenschaftlich-Technische Park Tomsk“. 1990 waren in unserem Lande 2 Technology Towns, 1991 – 8, 1992 – 24, 1993 – 43 Technology Towns. Heutzutage sind ca. 80 Technology Towns gestaltet, jedoch nach Akkreditierungsergebnissen 2000 konnten nur ca. 30 davon ihren Status nachweisen.